Die leistungsstärksten Raketen aller Zeiten – erklärt
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Die leistungsstärksten Raketen aller Zeiten – erklärt

Was ist die leistungsstärkste Rakete, die je gebaut wurde? Die Antwort hängt davon ab, was genau Sie unter Leistung verstehen. Geht es um den reinen Startschub – also die Kraft, die ein Trägersystem gegen die Erdgravitation von der Rampe drückt -, dann steht SpaceX‘ Starship mit dem Super-Heavy-Booster mit rund 16,7 Millionen Pfund Schub an der Spitze. Nach diesem Maßstab hat es die großen Schwerlastgiganten der Vergangenheit übertroffen. Wenn Sie jedoch fragen, welche Super-Schwerlastrakete heute tatsächlich für bemannte Deep-Space-Missionen im Einsatz ist, dann hat derzeit die Space Launch System (SLS) der NASA diese Rolle inne.

Dieser Unterschied ist wichtig, denn Raketen-Rankings verändern sich je nach Messlatte. Startschub ist nicht dasselbe wie Nutzlastkapazität – und keines von beidem erzählt die ganze Geschichte darüber, wozu ein System jenseits des niedrigen Erdorbits fähig ist. Die Saturn V, die Apollo-Besatzungen zum Mond brachte, lieferte beim Start etwa 7,5 Millionen Pfund Schub. Die Space Launch System der NASA übertrifft sie mit 8,8 Millionen Pfund. Starship liegt noch deutlich darüber. Dennoch steht jede dieser Raketen für eine andere Ingenieursphilosophie, eine andere Epoche und eine andere „Zielkarte“.

Und genau darin liegt die eigentliche Geschichte: nicht nur, wer das Zahlenrennen gewinnt, sondern wie Ingenieurinnen und Ingenieure gelernt haben – und noch immer lernen -, diese erstaunlichen Kräfte zu beherrschen.

Wie Raketenleistung gemessen wird – und warum sich die Rangfolge ändert

Beim Start ist der Schub die Kennzahl, die Schlagzeilen macht. Er beschreibt die Kraft, die Raketentriebwerke erzeugen, indem sie Treibstoff mit hoher Geschwindigkeit ausstoßen. Bei Super-Schwerlastträgern bedeutet das: Millionen Pfund Kraft innerhalb weniger Sekunden, während die gesamte Struktur von Vibrationen, Lärm und thermischer Belastung regelrecht durchgeschüttelt wird. Eine Kennzahl kann einen „Raketen-König“ küren – eine andere stellt die Reihenfolge auf den Kopf.

Die NASA beschreibt das Space Launch System als die einzige Rakete, die Orion, Astronautinnen und Astronauten sowie Fracht in einem einzigen Start direkt zum Mond bringen kann. Diese Fähigkeit ist zentral für Artemis. Allein die SLS-Zentralstufe ist 212 Fuß hoch, fasst mehr als 733.000 Gallonen tiefgekühlten Flüssigtreibstoff und versorgt vier RS-25-Triebwerke, die etwas mehr als acht Minuten lang arbeiten. Zusammen mit den Boostern erzeugt die Rakete beim Abheben 8,8 Millionen Pfund Schub.

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Das Starship-System von SpaceX ist dagegen auf vollständige und schnelle Wiederverwendbarkeit ausgelegt. Der Super-Heavy-Booster nutzt 33 Raptor-Triebwerke, die flüssiges Methan und flüssigen Sauerstoff verbrennen, und erzeugt etwa 16,7 Millionen Pfund Schub. SpaceX gibt zudem an, dass das System im vollständig wiederverwendbaren Betrieb 100 bis 150 metrische Tonnen transportieren kann – mit höherer Kapazität bei nicht wiederverwendbarem Einsatz. Damit wäre es nicht nur Schub-Champion, sondern potenziell auch ein Frachtriese – vorausgesetzt, das Testprogramm verwandelt die ambitionierten Ziele in einen verlässlichen Routinebetrieb.

Rakete Startschub (ca.) Status Hauptaufgabe
Saturn V ~7,5 Millionen lbf Historisch Apollo-Mondmissionen
NASA Space Launch System 8,8 Millionen lbf Im Einsatz Artemis-Deep-Space-Missionen
SpaceX Starship + Super Heavy ~16,7 Millionen lbf Flugerprobung Orbit, Mond, Mars, Massengut
Energia Super-Schwerlastklasse Historisch Schwere sowjetische Trägerrakete
N1 Klasse mit sehr hohem Schub Keine erfolgreichen Flüge Sowjetischer Versuch einer Mondrakete

Die sowjetischen Beispiele sind lehrreich. Energia zeigte, dass enorme Schwerlastfähigkeit auch außerhalb der Apollo-Linie möglich war. N1 zeigte die Kehrseite: gewaltiger Anspruch, aber kein einziger erfolgreicher Flug. In dieser Größenordnung reicht rohe Gewalt allein nie aus.

Warum Super-Schwerlastraketen so schwer zu bändigen sind

Die technische Herausforderung beginnt bei den Triebwerken – und wird danach noch größer. Ein einzelnes Riesentriebwerk ist schwierig; Dutzende, die zusammenarbeiten, sind eine ganz andere Liga. Starships gebündelter Booster mit 33 Triebwerken zeigt das Versprechen und das Risiko der Skalierung. Mehr Triebwerke können enormen Schub liefern und potenziell eine Ausfalltoleranz einzelner Triebwerke ermöglichen, sie vervielfachen aber auch die Komplexität der Leitungen, die Pfade für Vibrationen und die Anforderungen an die Regelung. Das alte N1-Programm wurde auch deshalb zur Warnung, weil Triebwerksbündelung gnadenlos ist, wenn etwas aus dem Ruder läuft.

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Hinzu kommt die Verbrennungsstabilität – also das Triebwerk so zu betreiben, dass es gleichmäßig brennt, statt in zerstörerische Schwingungen zu geraten. Rechnet man die akustischen Lasten dazu, die brachiale Schallenergie, die beim Zünden über die Rampe zurückgeworfen wird, wird deutlich, warum die Startinfrastruktur Teil des Entwicklungsproblems ist. Diese Fahrzeuge starten nicht einfach von einer Rampe; sie verlangen Türme, Treibstoffsysteme, mobile Startplattformen, Transporttechnik und Testanlagen im industriellen Maßstab.

Die SLS der NASA steht für eine Antwort auf diese Herausforderung: ein eher traditioneller, hochleistungsfähiger Schwerlastträger für Deep-Space-Missionen mit Orion und Artemis. SpaceX verfolgt eine andere: schnelle Iteration, vollständige Wiederverwendbarkeit, Betankung im Orbit und eine bergungsbasierte Rückgewinnung beider Stufen. Dieser zweite Ansatz bringt zusätzliche Komplexität mit sich – insbesondere den Hitzeschutz für den Wiedereintritt und die hochpräzise Navigation, die nötig ist, um einen massiven Booster wieder zum Startplatz zurückzubringen. Kann die leistungsstärkste Rakete der Welt zugleich zum Routinefahrzeug werden? Genau diese Frage versucht Starship jetzt im Flug zu beantworten.

Von Apollos Erbe zu Artemis und Mars

Die Saturn V bleibt der emotionale Maßstab, weil sie mehr tat, als nur Zahlen zu liefern: Sie brachte Menschen zum Mond. Ihr Erbe prägt bis heute, wie sich viele Raketenüberlegenheit vorstellen. Doch 2026 ist die Landschaft breiter. Die Space Launch System der NASA ist der staatlich gebaute Super-Schwerlastträger, der Artemis heute trägt – und damit Teil des Rückgrats für bemannte Erkundung jenseits des niedrigen Erdorbits ist. Aktuelle Informationen auf den SLS-Seiten der NASA und die Artemis-Berichterstattung zeigen, dass der Hardware-Fortschritt für Artemis II und Artemis III keine abstrakte Zukunftsübung ist, sondern laufende Programmrealität.

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SpaceX Starship wiederum verfolgt die in der Aussage weiter reichende Vision. SpaceX erklärt, das Fahrzeug sei für Erdorbit, Mond, Mars und darüber hinaus vorgesehen – mit Frachttransport, Missionen zur Mondoberfläche, Satellitenstarts und schließlich als Langstrecken-Transportmittel für interplanetare Reisen. Zugleich ist es Teil der Human-Landing-System-Architektur für die Artemis-Mondpläne der NASA und verbindet damit staatliche Explorationsziele mit kommerzieller Raumfahrzeugentwicklung auf eine Weise, die in der Saturn-V-Ära außergewöhnlich gewirkt hätte.

Was bedeutet „am leistungsstärksten“ also wirklich? Beim reinen Schub hat Starship die Krone übernommen. Bei bemannten Deep-Space-Starts im operativen Einsatz ist es SLS, das diese Aufgabe heute erfüllt. In historischer Bedeutung wirft die Saturn V noch immer den längsten Schatten. Vielleicht ist das der aufschlussreichste Vergleich von allen: Die größten Raketen sind nie nur Maschinen. Sie sind ein Statement darüber, wohin die Menschheit als Nächstes will.