Polarlichtwarnung ausgeweitet: Chancen auf Nordlichter in 23 US-Bundesstaaten
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Polarlichtwarnung ausgeweitet: Chancen auf Nordlichter in 23 US-Bundesstaaten

Von Space Unpacked Editorial

Das Space Weather Prediction Center der US-Wetter- und Ozeanografiebehörde NOAA hat seine Polarlicht-Prognose für Donnerstag, den 4. Juni, bis in den Freitag, den 5. Juni, angehoben – und damit die Aussicht auf ein eindrucksvolles Nordlicht-Schauspiel in bis zu 23 US-Bundesstaaten erhöht. Wer sich fragt, ob die Aurora heute Nacht zu sehen sein könnte: Die kurze Antwort lautet: möglicherweise – und deutlich weiter südlich als sonst, falls der Sturm die höchste vorhergesagte Intensität erreicht.

Laut der aktuellen Prognose, auf die sich Forbes beruft, sollten mehrere erdgerichtete koronale Massenauswürfe (CMEs) in kurzer Folge auf das Magnetfeld der Erde treffen. NOAA rechnete am Donnerstag in Nordamerika am Nachmittag und Abend mit geomagnetischen Sturm-Bedingungen der Stufen G2 (moderat) und G3 (stark), mit der Möglichkeit vereinzelter G4-Phasen (schwer) während des nächtlichen Maximums. Das ist relevant, weil G4-Stürme das Polarlichtoval weit über seine üblichen, polnahen Regionen hinaus verschieben können.

Praktisch bedeutete das: Himmelsbeobachter im Norden der USA hatten allen Grund, nach Einbruch der Dunkelheit die Lage sehr genau zu verfolgen. Doch wie erfahrene Aurora-Fans wissen, ist eine Vorhersage keine Garantie. Wolken, Lichtverschmutzung und das tatsächliche Verhalten des eintreffenden Sonnenwinds entscheiden, ob der Himmel nur schwach schimmert oder sich sichtbar leuchtende grüne und rote Vorhänge zeigen.

Was NOAA angehoben hat – und wann Polarlichter auftauchen könnten

Die wichtigste Änderung in NOAAs Ausblick betraf den Zeitpunkt. Frühere Vorhersagen hatten den Freitag als stärkste Phase gesehen, doch die aktualisierte Projektion rückte den Schwerpunkt klar auf die Nacht zum Donnerstag. In der NOAA-Prognosediskussion heißt es, die geomagnetischen Bedingungen sollten sich am 4. Juni rasch verschärfen, im Verlauf des Tages bis in den späten Tag hinein G3-Niveau erreichen und mit dem Eintreffen mehrerer CMEs bis zum 5. Juni anhalten.

Die zitierte Kp-Prognose stieg am 4. Juni von 6,33 zwischen 15:00 und 18:00 UTC auf 6,67 zwischen 18:00 und 21:00 UTC. Diese Zeitfenster entsprechen in Nordamerika dem Nachmittag und Abend – und schaffen damit die Voraussetzungen für sichtbare Polarlichter, sobald es vor Ort dunkel genug ist. NOAA wies zudem auf die Möglichkeit vereinzelter G4-Intervalle während des Höhepunkts der Passage mehrerer CMEs am 4.-5. Juni hin.

Allerdings gibt es einen Haken – und der ist in der Weltraumwetterlage ein alter Bekannter: Prognosen können sich schnell ändern. In der Quelle heißt es, die verlässlichsten Kurzfrist-Hinweise kämen teils erst etwa 30 Minuten vor dem Maximum. Wer also rausfahren wollte, für den war Echtzeit-Monitoring nahezu genauso wichtig wie die übergreifende Vorhersage. Denn was wäre frustrierender, als gerade dann an einem dunklen Beobachtungsplatz anzukommen, wenn das Magnetfeld ungünstig nach Norden dreht?

Prognoseelement Details
Wahrscheinliche Sturmstufen G2 (moderat) bis G3 (stark)
Höchstes Risiko Vereinzeltes G4 (schwer) möglich
Kp-Prognosefenster 1 6,33 von 15:00-18:00 UTC am 4. Juni
Kp-Prognosefenster 2 6,67 von 18:00-21:00 UTC am 4. Juni
Haupttreiber Mehrere erdgerichtete CMEs

In welchen Bundesstaaten die Chancen auf Nordlichter am besten standen

Die besten Aussichten bestanden in Washington, Idaho, Montana, Wyoming, North Dakota, South Dakota, Minnesota, Wisconsin, Michigan, New York und Maine. Die Prognose reichte außerdem mit möglicher Sichtbarkeit bis nach Oregon, Nebraska, Iowa, Illinois, Indiana, Ohio, Pennsylvania, Massachusetts, Connecticut, Rhode Island, Vermont und New Hampshire.

Diese Liste wirkt groß – doch die Geografie der Polarlichtbeobachtung ist stets selektiver, als es eine Karte nach Bundesstaaten vermuten lässt. Wichtig ist vor allem ein freier Blick nach Norden. Ebenso entscheidend sind wirklich dunkle Himmel. Stadtlicht kann eine schwache Aurora komplett überstrahlen, während ein klarer ländlicher Horizont Struktur und Farbe sichtbar machen kann, selbst wenn das Polarlicht niedrig bleibt. Zusätzlich erschwerte diesmal ein zu 82% beleuchteter, abnehmender Mond (Gibbous) die Beobachtung: Er ging nach Mitternacht auf und dürfte schwächere Aktivität auswaschen.

Auch die Jahreszeit spielte gegen Beobachter. Mit dem nahenden Juni-Sonnenwendtermin werden die Nächte im Norden der USA und in weiten Teilen Kanadas bereits sehr kurz; die lange Dämmerung frisst die dunkelsten Stunden auf. Das verhindert Polarlichter nicht, erhöht aber die Schwelle dessen, was für das Auge leicht erkennbar ist.

northen lights

Warum dieser Sturm stärker als üblich ausfallen könnte

Die Quelle führt die angehobene Prognose auf mehrere CMEs zurück, die am 3. und 4. Juni ausgestoßen wurden. Dabei handelt es sich um riesige Wolken aus überhitztem Plasma und Magnetfeld, die die Sonne nach Flares ins All schleudert. Bewegen sich mehrere CMEs auf ähnlichen Bahnen, können sie miteinander wechselwirken und sich gegenseitig verstärken – ein Prozess, der gelegentlich als cannibal CME bezeichnet wird. Das ist ein Grund, weshalb die Vorhersage ernst genug genommen wurde, um auch schwere Bedingungen nicht auszuschließen.

Der entscheidende Unsicherheitsfaktor war jedoch nicht allein der Kp-Index. Für die Intensität der Aurora ist die Ausrichtung des interplanetaren Magnetfelds ausschlaggebend, insbesondere dessen Nord-Süd-Komponente Bz. Dreht Bz nach Süden, koppelt die Energie des Sonnenwinds deutlich effektiver in das Magnetfeld der Erde ein – und die Polarlichtaktivität kann rasch anziehen. Laut Quelle gilt ein anhaltend südliches Bz von −5 nT oder stärker meist als starkes Signal, dass Polarlichter unmittelbar bevorstehen.

Für Beobachter war der Rat entsprechend einfach und bewährt: Sobald es wirklich dunkel ist, von einem dunklen Standort aus nach Norden schauen, Live-Updates von NOAA und anderen Echtzeit-Trackern im Blick behalten – und damit rechnen, dass sich die Bedingungen schnell verbessern oder ebenso schnell wieder abschwächen können. Diese Mischung aus Ungewissheit und Spektakel gehört zum Reiz der Aurora: kein Programmpunkt nach Uhrzeit, sondern die Sonne, die kurzzeitig auf den magnetischen Schutzschild der Erde „schreibt“.