Sonneneruption erhöht heute Nacht die Chancen auf Polarlichter
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Sonneneruption erhöht heute Nacht die Chancen auf Polarlichter

Von Space Unpacked Editorial

Eine starke Sonneneruption am 10. Mai hat die Aussicht auf Polarlichter in hohen Breiten erhöht, da geladenes Material von der Sonne an der Erde vorbeizieht. Für Himmelsbeobachter ist der entscheidende Punkt einfach: Prognostiker beim Space Weather Prediction Center der NOAA und beim britischen Met Office erklärten, dass ein koronaler Massenauswurf (CME) der Explosion die Erde Anfang des 13. Mai streifen könnte – mit der Möglichkeit, dass sich dadurch leichte geomagnetische Sturmbedingungen entwickeln.

Die Eruption ging von der Sonnenfleckenregion AR4436 aus und erreichte ihren Höhepunkt um 13:39 UTC als Sonneneruption der Klasse M5.7. Damit lag sie klar in der leistungsstarken M-Kategorie der Sonne – eine Stufe unter den intensivsten Ereignissen der X-Klasse. Zur selben Zeit verursachte der Flare laut NOAA Funkstörungen bis hin zu Ausfällen über dem Atlantik auf der sonnenbeschienenen Seite der Erde, weil Ausbrüche von Röntgen- und UV-Strahlung die obere Atmosphäre rasch störten und Hochfrequenz-Funksignale beeinträchtigten.

Für die meisten Leser ist jedoch die unmittelbarere Frage: Bringt das heute Nacht den Himmel zum Leuchten? Möglich – aber mit Einschränkungen. Es wurde nicht erwartet, dass das auch nur annähernd an den außergewöhnlichen G5-Sturm vom Mai 2024 heranreicht. Stattdessen verwiesen die Behörden auf die Chance eines deutlich schwächeren geomagnetischen Sturms der Stufe G1, der ausreichen könnte, um die Sichtbarkeit von Polarlichtern in bevorzugten nördlichen Regionen im Norden der USA und im Vereinigten Königreich zu verbessern – vor allem bei dunklem, klarem Himmel.

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Was auf der Sonne passiert ist – und warum es zählt

Flare und CME hingen zusammen, sind aber nicht dasselbe. Ein Sonneneruptionsflare ist ein intensiver Strahlungsblitz, der die Erde innerhalb von Minuten erreicht und sofortige Funkprobleme auslösen kann. Ein koronaler Massenauswurf ist dagegen eine riesige Wolke aus magnetisiertem Sonnenplasma, die deutlich länger durch den Raum unterwegs ist – und der Haupttreiber geomagnetischer Stürme und Polarlichter.

Aufnahmen des Solar Dynamics Observatory der NASA zeigten, wie die Eruption durch die äußere Sonnenatmosphäre riss und eine Struktur hinterließ, die in einigen Berichten als riesige „Höhlung“ beschrieben wurde. Diese dramatische Formulierung kann alarmierend wirken, bedeutet jedoch nicht, dass buchstäblich ein Loch in die Sonnenoberfläche geschlagen wurde. In diesem Fall hing das Merkmal mit Material zusammen, das bei der Eruption aus AR4436 nach außen geschleudert wurde.

Besonders interessant an AR4436 ist ihre Position. Als der Flare ausbrach, drehte sich die Sonnenfleckenregion in die sogenannte „Trefferzone“ der Erde am nordöstlichen Sonnenrand. Anders gesagt: Sie wurde besser auf unseren Planeten ausgerichtet. Sowohl das Space Weather Prediction Center der NOAA als auch das britische Met Office warnten, dass – während sich AR4436 und AR4432 weiter entwickeln – zusätzliche Flares der M-Klasse und möglicherweise sogar Eruptionen der X-Klasse weiterhin möglich sind.

Ereignis Details
Sonnenflare Flare der Klasse M5.7 aus AR4436
Zeitpunkt des Maximums 10. Mai 2026, 13:39 UTC
Unmittelbare Wirkung Funk-Ausfall über dem Atlantik auf der sonnenbeschienenen Erdseite
CME-Prognose Verfehlt die Erde größtenteils, ein Streiftreffer ist aber möglich
Erwartete Ankunft Anfang des 13. Mai
Wahrscheinliches geomagnetisches Niveau Leichter G1-Sturm, falls die Erde vom CME gestreift wird

Wo Polarlichter auftreten könnten – und welche Auswirkungen realistisch sind

Da erwartet wurde, dass der CME überwiegend östlich an der Erde vorbeizieht, blieb die Polarlicht-Aussicht eher verhalten als spektakulär. Wenn der Rand der Sonnenwolke effektiv mit dem Erdmagnetfeld koppelt, könnten Polarlichter in polar- und subpolaren Regionen heller werden – mit einer gewissen Chance auf Sichtbarkeit weiter südlich als üblich, etwa in Teilen der nördlichen USA und im Vereinigten Königreich. Das ist jedoch eine bedingte Prognose, kein Versprechen. Schon eine kleine Änderung der Bahn oder der magnetischen Ausrichtung des CME kann den Unterschied zwischen einer ordentlichen Show und einem Nicht-Ereignis ausmachen.

Die nicht sichtbaren Effekte sind eindeutiger. Die NOAA erklärte, dass der Flare selbst die Hochfrequenz-Kommunikation störte, die von Luftfahrt, Seefahrt und Amateurfunk genutzt wird. Sollte sich aus dem CME ein G1-Sturm entwickeln, zielten die offiziellen Erwartungen eher auf geringe Weltraumwetter-Folgen: leichte Schwankungen in Stromnetzen in hohen Breiten, gelegentliche Auswirkungen auf Satellitenbetrieb und eine geringe Verschlechterung der Funk-Ausbreitungsbedingungen. Behauptungen über eine große Gefahr für Infrastruktur würden deutlich über die Prognose hinausgehen.

Dahinter steht ein größeres Muster. Die Sonne befindet sich nahe dem Maximum des Sonnenzyklus 25. Das bedeutet aktivere Sonnenfleckenregionen, häufigere Eruptionen – und mehr Nächte, in denen Polarlicht-Warnungen plötzlich auch weit jenseits der Arktis relevant werden. AR4436 hatte bereits Aufmerksamkeit erregt, weil Berichten zufolge mehrere bedeutende CMEs entstanden waren, als die Region auf der sonnenabgewandten Seite lag. Jetzt, da sie weiter ins Sichtfeld rotiert ist, beobachten Prognostiker sie besonders genau.

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So beobachtet man den Himmel heute Nacht – und warum sich die Prognose ändern kann

Wer die Lichter sehen möchte, fährt mit einer angenehm altmodischen Strategie am besten: einen dunklen Ort suchen, dem Stadtlicht entkommen und die Wolkenlage im Blick behalten. Beobachter auf der Nordhalbkugel sollten in Richtung Nordhorizont schauen, besonders um Mitternacht Ortszeit – wobei sich starke Displays deutlich höher am Himmel ausbreiten können. Auf der Südhalbkugel richtet man den Blick nach Süden.

Für Fotos kann ein Smartphone im Nachtmodus manchmal mehr Farbe festhalten, als das bloße Auge zunächst wahrnimmt. Eine Kamera oder DSLR liefert mit stabilem Stativ und langen Belichtungszeiten meist noch bessere Ergebnisse. Der Himmel kann anfangs wie ein blasser Bogen oder ein schwaches Leuchten wirken, bevor in Bildern kräftigere Grüntöne und Magenta sichtbar werden.

Vor allem gilt: Erwartungen flexibel halten. Weltraumwetter-Prognosen können sich schnell verändern, sobald neue Daten zum Sonnenwind eintreffen – insbesondere bei einem streifenden CME statt eines direkten Treffers. Für die aktuelle Einschätzung bleiben das Space Weather Prediction Center der NOAA und das britische Met Office die besten Anlaufstellen. Selbst ein leichter Sturm kann einen unvergesslichen Himmel liefern – und genau das macht den Reiz aus: eine Erinnerung daran, dass unsere ruhige blaue Welt weiterhin in der Atmosphäre eines Sterns lebt.