NASAs Artemis-III-Plan: Was die Mission leisten soll
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NASAs Artemis-III-Plan: Was die Mission leisten soll

Von Space Unpacked Editorial

Die NASA hat nun ihre bislang klarste öffentliche Skizze von Artemis III vorgelegt – und die Kernaussage ist eine deutliche Kursänderung: Diese Mission wird derzeit als bemanntes Testflugprofil im Erdorbit ausgearbeitet, nicht als erste Artemis-Mondlandung. Wer wissen will, was Artemis III tatsächlich tun soll, bekommt zunehmend eine konkrete Antwort. Vier Astronautinnen und Astronauten würden an Bord der Space Launch System-Rakete im Orion-Raumschiff starten, in einen niedrigen Erdorbit einschwenken und die komplexen Rendezvous- und Andockmanöver proben, auf die spätere Mondlandungen angewiesen sein werden.

Das klingt vielleicht weniger spektakulär als Stiefel im Mondstaub – zeigt aber in mancher Hinsicht, wie komplex die Mondarchitektur der NASA inzwischen geworden ist. Artemis III soll Orion mit kommerziellen Erprobungsfahrzeugen von Mondlandesystemen von SpaceX und Blue Origin zusammenführen und der NASA sowie ihren Partnern die Möglichkeit geben zu testen, wie diese sehr unterschiedlichen Raumfahrzeuge, Teams und Abläufe zusammenwirken, bevor Astronautinnen und Astronauten im Rahmen von Artemis IV zum Mond hinabsteigen. Wenn die Behörde Risiken vor der Rückkehr zur Mondoberfläche senken will – wo ließe sich das besser tun als in der Nähe der Erde?

Das Missionskonzept folgt auf das Programm-Update der NASA vom Februar, das einen zusätzlichen Artemis-Flug vor künftigen bemannten Mondlandungen nahe der Südpolregion des Mondes eingefügt hat. Seitdem verfeinern Ingenieurinnen und Ingenieure Missionsprofile, Betriebsentscheidungen und Hardware-Pläne. Die NASA betonte, die Details seien weiterhin vorläufig – doch das übergeordnete Ziel ist bereits klar: die Choreografie beweisen, bevor die ganze Aufführung gewagt wird.

Wie Artemis III nach aktuellem Stand ablaufen soll

Nach dem derzeitigen Konzept würde Artemis III vom Kennedy Space Center der NASA in Florida starten, mit vier Besatzungsmitgliedern an Bord von Orion. Da die Mission im Erdorbit bleibt, benötigt die NASA nicht die interim cryogenic propulsion stage, die Orion normalerweise von der Erde in Richtung Mond beschleunigt. Stattdessen soll die Rakete einen Spacer mitführen – ein Masse- und Größen-Dummy, der Geometrie und Schnittstellen des Trägersystems beibehält, ohne zusätzliche Antriebsfähigkeit einzubringen. An dieser Hardware wird am Marshall Space Flight Center der NASA bereits gearbeitet.

artemis III

Sobald Orion im Orbit ist, würde das in Europa gebaute Servicemodul das Manöver ausführen, das für das Einschwenken in eine kreisförmige Bahn im niedrigen Erdorbit nötig ist. Das ist mehr als eine technische Randnotiz. Die NASA sagt, dadurch entstünden mehr Startfenster für jedes Missionselement: Orion und seine Besatzung auf der SLS, SpaceX‘ Starship Human Landing System Pathfinder sowie Blue Origins Blue Moon Mark 2 Human Landing System Pathfinder. Anders gesagt: Eine Mission im niedrigen Erdorbit verschafft der Behörde mehr Spielraum, während sie mehrere Raumfahrzeuge verschiedener Anbieter koordiniert.

Missionselement Aktueller Artemis-III-Plan
Besatzungsgröße Vier Astronautinnen und Astronauten
Trägerrakete NASA Space Launch System
Besatzungsraumschiff Orion-Raumschiff
Missionsziel Niedriger Erdorbit
Zentrales Ziel Rendezvous- und Andocktests mit kommerziellen Lander-Pathfindern
Kommerzielle Partner SpaceX und Blue Origin
Konfiguration der Oberstufe Nicht angetriebener Spacer statt interim cryogenic propulsion stage

Die NASA hat bislang nicht gesagt, ob beide Lander bei dem Flug dabei sein werden – sie hat jedoch offen gelassen, dass Astronautinnen und Astronauten mindestens eines der Testexemplare betreten könnten. Damit würde die Mission zu einer praktischen Generalprobe für spätere Mondoperationen – nicht nur zu einer Andock-Demonstration, die man aus Orions Fenstern beobachtet.

Warum diese Erdorbit-Mission für den Mond wichtig ist

Der aufschlussreichste Teil des NASA-Updates ist die Betonung operativer Realitätsnähe. Artemis III soll erstmals zeigen, wie Orion, die Crew, Bodenkontrolle und kommerzielle Landessysteme gemeinsam als ein einziges Missionssystem funktionieren. Das macht sie zu einem der komplexesten Artemis-Flüge bisher – selbst ohne Mondlandung.

Die Besatzung wird voraussichtlich länger an Bord von Orion bleiben als die Astronautinnen und Astronauten bei Artemis II, wodurch die Bewertung der Lebenserhaltungssysteme des Raumfahrzeugs ausgeweitet wird. Artemis III würde außerdem die erste Demonstration der Leistungsfähigkeit von Orions Andockschnittstelle im Flug markieren – eine Fähigkeit, die unverzichtbar wird, sobald Crews bei künftigen Mondexpeditionen zwischen Fahrzeugen wechseln müssen. Zudem plant die NASA, bei der Rückkehr in die Erdatmosphäre einen verbesserten Hitzeschild an Orion zu testen, eine Änderung, die später flexiblere und robustere Rückkehrprofile ermöglichen soll.

Es bleiben jedoch wesentliche offene Fragen. Die NASA legt weiterhin Missionsdauer, Zeitpunkt der Crew-Zuweisung, mögliche wissenschaftliche Aktivitäten sowie die Bewertung der Schnittstellen von Axiom Spaces AxEMU-Raumanzug mit Landern im Vorfeld späterer Oberflächenmissionen fest. Außerdem hat die Behörde die Industrie um Vorschläge zur Kommunikationsunterstützung gebeten, da das Deep Space Network für diesen Erdorbit-Flug nicht genutzt wird.

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Was noch nicht entschieden ist

Trotz der neuen Details beschreibt die NASA Artemis III vorsichtig als Konzept, das noch weiter ausgearbeitet wird. Eine Astronautencrew wurde noch nicht benannt. Der genaue Missionszeitplan wird weiterhin untersucht. Auch ist noch nicht festgelegt, ob einer oder beide kommerziellen Lander-Pathfinder teilnehmen – ebenso wenig, welche konkreten Wissenschafts- oder Technologie-Demonstrationen es am Ende in den endgültigen Plan schaffen.

Darüber hinaus sondiert die NASA Möglichkeiten über die Kernmission hinaus. Die Behörde erklärte, sie suche international und in den USA nach Interesse daran, CubeSats für einen Einsatz auszusetzen, was darauf hindeutet, dass Artemis III mit zunehmender Reife des Operationsplans zu einer breiteren Testplattform werden könnte.

Diese Mischung aus Klarheit und Vorbehalt ist letztlich die eigentliche Geschichte. Artemis III hat jetzt einen definierten Zweck: das technische und operative Risiko künftiger Mondlandungen zu senken, indem die schwierigsten Elemente zuerst im niedrigen Erdorbit geprobt werden. Das ist ein pragmatischer Schritt – und ein aufschlussreicher. Die Rückkehr von Menschen zum Mond wird keine einfache Wiederholung von Apollo sein; die Architektur ist stärker verteilt, kommerzieller und wechselseitig abhängiger. Bei Artemis III will die NASA herausfinden, ob all diese beweglichen Teile tatsächlich als Ganzes zusammenarbeiten können.