Starship-V3-Start: Was vor Flug 12 wichtig ist
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Starship-V3-Start: Was vor Flug 12 wichtig ist

Von Space Unpacked Editorial

SpaceX peilt den 19. Mai 2026 für den ersten Start der Starship-Version 3 an – der bislang neuesten und zugleich größten Ausbaustufe des riesigen Trägersystems des Unternehmens. Der Abflug ist für 18:30 Uhr Eastern Time angesetzt, das entspricht 17:30 Uhr Ortszeit in Texas. Die Mission mit dem Namen Flight 12 soll von Starbase in Südtexas nahe Brownsville und Boca Chica abheben.

Wer verstehen will, warum dieser Test so wichtig ist, bekommt eine recht klare Antwort: Version 3 ist das Starship-Design, das SpaceX als nächsten echten Schritt in Richtung operativer Nutzung beschreibt. Dazu zählen künftige Missionen zum Aussetzen von Satelliten sowie die Rolle des Unternehmens als Anbieter eines Mondlanders für das NASA-Artemis-Programm. Mit anderen Worten: Das ist nicht einfach der nächste Startversuch. Es ist der erste Blick auf Hardware, die SpaceX in die Serien- und Einsatzlinie überführen will.

Auch das Timing ist bemerkenswert, denn es folgt auf eine lange Pause. Seit Oktober 2025 hatte SpaceX Starship nicht mehr fliegen lassen und nahm sich zusätzliche Zeit für Upgrades, Tests und Vorbereitungen am Startkomplex. Ein Booster, der ursprünglich für diesen Flug vorgesehen war, wurde zudem im November bei Tests beschädigt – ein weiterer Faktor für Verzögerungen, die das Debüt deutlich über frühere Erwartungen hinausschoben.

Was sich mit Starship Version 3 ändert

Version 3 bringt tiefgreifende Überarbeitungen an beiden Fahrzeugteilen: dem Super-Heavy-Booster und der oberen Stufe, dem Starship-Raumschiff. Komplett gestapelt ist die neue Rakete etwa 407 Fuß hoch – und damit rund vier Fuß höher als die vorherige Version.

SpaceX und die Berichterstattung beider Quellen verweisen auf ein zentrales Leitmotiv hinter dem Redesign: bessere Leistung und schnellere Wiederverwendbarkeit. Das Unternehmen hat die Raptor-Triebwerke aufgerüstet, und die Oberstufe verfügt über ein überarbeitetes Antriebssystem, das mehr Treibstoff für Missionen mit längerer Dauer aufnehmen soll. Auch die Landekomponenten des Boosters wurden geändert: Statt vier Gitterflossen nutzt Version 3 drei größere und robustere Flossen, jeweils um 50% vergrößert.

Hinzu kommt eine wichtige Perspektive bei den Bodensystemen. Flight 12 wird der erste Starship-Start von Pad 2 an der Starbase sein – einem neuen Startplatz mit modernisierter Treibstoffanlage, mehr Lagerkapazität und zusätzlichen Pumpen, um den Betankungsvorgang zu beschleunigen. Selbst die Fangarme des Startturms, die inzwischen berühmten „Chopsticks“, wurden verkürzt, damit sie sich beim Verfolgen eines zurückkehrenden Boosters schneller bewegen können.

Merkmal Details zu Version 3
Startdatum 19. Mai 2026
Startzeit 18:30 Uhr Eastern Time / 17:30 Uhr Ortszeit in Texas
Startort Starbase, Südtexas
Höhe Etwa 407 Fuß
Booster-Flossen Drei Flossen, jeweils 50% größer
Startplatz Neuer Pad 2 mit aufgerüsteten Treibstoffsystemen

starship v3

Was Flight 12 zeigen soll

SpaceX war ungewöhnlich klar beim unmittelbaren Ziel: Diese Mission soll vor allem die überarbeitete Hardware erstmals in einer realen Flugumgebung erproben. Das klingt bescheiden, ist für ein Testprogramm wie Starship aber die grundlegende erste Frage: Kann das modernisierte System den Startplatz verlassen, überleben und die erwartete Leistung tatsächlich erbringen?

Das Flugprofil ist suborbital. Anders als bei früheren Plänen, die eine Rückkehr des Boosters zum Startturm in den Vordergrund stellten, wird Super Heavy bei dieser Mission keine Rückkehr zum Turm versuchen. Stattdessen wird ein weiches Wassern im Golf von Mexiko erwartet. Allein diese Entscheidung zeigt, wo die Prioritäten liegen: Flight 12 geht weniger um spektakuläre Bergungs-Choreografie, sondern eher darum, Variablen zu reduzieren, während das neue Design erstmals nach oben fliegt.

Für die Oberstufe steht ein umfangreicherer Testplan an. Im All soll Starship 22 Massensimulatoren aussetzen, die Satelliten der nächsten Starlink-Generation repräsentieren. Zwei davon tragen Bildgebungslasten, die dafür gedacht sind, den Hitzeschild des Fahrzeugs zu inspizieren – als Test für Verfahren, mit denen SpaceX später beurteilen will, ob der Schild für den Wiedereintritt und eine spätere Rückkehr zum Startplatz bereit ist.

Außerdem plant SpaceX, ein einzelnes Raptor-Triebwerk im All erneut zu zünden und damit eine Art Demonstration zu wiederholen, die bei früheren Flügen bereits versucht wurde. Beim Wiedereintritt will das Unternehmen Manöver durchführen, die das Fahrzeug gezielt belasten und das Handling simulieren, das für künftige Landungen erforderlich ist. In einem besonders aufschlussreichen Experiment wurde vor dem Start absichtlich eine Hitzeschild-Kachel entfernt, damit Ingenieurinnen und Ingenieure untersuchen können, wie sich die benachbarten Kacheln unter aerodynamischer Last verhalten. Wie ließen sich die Grenzen eines Raumfahrzeugs besser ausloten, als sie – kontrolliert und bewusst – zu testen?

Warum das über einen Testflug hinaus wichtig ist

SpaceX verknüpft Version 3 mit Zielen, die weit über Südtexas hinausreichen. Das Unternehmen sieht darin das Starship-Modell für Orbitmissionen – einschließlich des Aussetzens von Starlink-Satelliten der nächsten Generation. Ebenso wichtig bleibt Starship ein zentraler Baustein in NASAs Plänen, für Artemis-Mondmissionen ein kommerziell entwickeltes Human Landing System zu nutzen.

Das heißt nicht, dass ein erfolgreicher Start sofort den Weg zum Mond freimacht. Entwicklungs-Testkampagnen verlaufen selten geradlinig, und beide Quellen ordnen dies als vorsichtigen Schritt mit hohem Risiko ein – nicht als abschließenden Meilenstein. Trotzdem ist das strategische Gewicht offensichtlich. Wenn Version 3 gut funktioniert, kann SpaceX Vertrauen in das Design aufbauen, das man häufig wiederverwenden und später in deutlich anspruchsvolleren Rollen einsetzen will.

space x rocket

Bevor man sich auf den 19. Mai als Zieltermin festlegte, absolvierte SpaceX eine Reihe von Vorflug-Checks – darunter Static-Fire-Tests von Booster und Oberstufe im April, gefolgt von Wet Dress Rehearsals am Startplatz. Eine Probe am 11. Mai schien den Weg freizumachen für die offizielle Bekanntgabe des Zieltermins am folgenden Tag.

Das Unternehmen hat zudem signalisiert, dass Starbase nur ein Teil eines größeren Starship-Netzwerks ist. SpaceX erklärte, man prüfe zusätzliche Startstandorte, denn langfristig soll Starship mit sehr hoher Startfrequenz von mehreren Plätzen in den USA und darüber hinaus fliegen. Vorerst jedoch richtet sich der Blick auf Boca Chica. Flight 12 ist der Moment, in dem Version 3 zum ersten Mal den Himmel erreicht – und in dem das nächste Kapitel von Starship endlich aufhört, nur Konzept zu sein, und beginnt, messbar zu werden.